Auf meinem Nachttisch liegt gerade ein Nuckel.
Eine kleine Spielzeuguhr.
Eine Muschel aus Bali.
Und „Shiva Moon“ von Helge Timmerberg.
Ich finde, damit ist mein derzeitiges Leben eigentlich ziemlich gut zusammengefasst.
Fernweh und Mutterschaft auf ungefähr vierzig Zentimetern Holz.
Ich würde dir jetzt gerne erzählen, dass ich abends, wenn endlich alle schlafen, noch ein bisschen lese. Mache ich aber nicht.
Tatsächlich schaffe ich meistens ungefähr fünf Zeilen.
Manchmal lese ich dieselben fünf am nächsten Abend noch einmal.
Helge Timmerberg muss also gerade ein bisschen Geduld mit mir haben.
Dabei lese ich ihn sehr gerne.
Vielleicht, weil er über das Reisen so schreibt, wie ich es selbst empfinde: nicht als eine Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten, sondern als etwas, das mit uns passiert.
Von ihm ist mir ein Gedanke geblieben – ich bekomme die genaue Formulierung nicht mehr zusammen –, dass beim Reisen unser Körper manchmal schneller ist als unsere Seele.
Wir steigen in ein Flugzeug, landen einige Stunden später auf einem anderen Kontinent, und irgendetwas in uns braucht noch ein bisschen länger, um hinterherzukommen.
Ich mochte diesen Gedanken immer.
Vielleicht liegt deshalb auch diese Muschel noch auf meinem Nachttisch.
Eine Freundin hat sie mir aus Bali mitgebracht.
Bali ist einer dieser Orte, bei denen bei mir sofort Bilder auftauchen.
Frangipani-Blüten. Familientempel. Singende Luft. Reisterrassen. Menschen, die einem zulächeln. Motorroller, die sich durch Straßen schlängeln, auf denen irgendwie alles gleichzeitig passiert.
Und Erinnerungen.
Ich habe dort vor einigen Jahren einige Monate mit meinem damals siebenjährigen Sohn verbracht.
Heute liegt die Muschel neben einem Nuckel.
Und vielleicht mag ich gerade deshalb meinen Nachttisch so.
Weil dort nichts so recht zusammenpasst und trotzdem alles zu mir gehört.
Das Leben, das ich einmal gelebt habe.
Das Leben, das ich gerade lebe.
Und ein bisschen von dem Leben, nach dem ich mich auch sehne.
Vielleicht sind Nachttische überhaupt kleine, unbeabsichtigte Selbstporträts.
Was liegt auf deinem?
Ein Buch, das du tatsächlich liest?
Eines, das seit Monaten darauf wartet?
Eine Muschel von irgendwo?
Ohropax, Nasenspray, Legosteine?
Wenn du magst, schreib mir zurück. Ich würde wirklich gerne wissen, was gerade auf deinem Nachttisch liegt.
Herzlich
Stefanie
P.S. Falls du Helge Timmerberg noch nicht kennst: Ich mag seine Reisebücher sehr. Shiva Moon führt nach Indien – eigenwillig, neugierig, manchmal ziemlich schräg und mit dieser besonderen Lust am Unterwegssein. Vielleicht eine kleine Empfehlung für deinen eigenen Nachttisch.

