LEBENSZEICHEN #2

von | Sep. 25, 2026 | Lebenszeichen | 0 Kommentare

Über das Leben, die Liebe und die Psyche

Es gibt Bücher, die liest man.

Und es gibt Bücher, die liebt man.

„Es ging immer nur um Liebe“ von Musa Okwonga ist eines meiner Lieblingsbücher.

Es ist ein Buch, das vieles gleichzeitig sein darf.

Ein Buch über Liebe und Sexualität. 

Über Rassismus und Entfremdung. 

Über Verlust und Selbstakzeptanz. 

Über Berlin – eine Stadt, in der man verschwinden und auffallen, dazugehören und fremd bleiben kann.

Und irgendwo zwischen Uganda, London und Berlin sucht Okwonga nach etwas, für das wir ein erstaunlich kleines Wort haben:

Heimat.

Wo ist sie eigentlich?

Vielleicht dort, wo wir geboren wurden.

Vielleicht in einer Sprache, in die wir zurückfallen, wenn wir müde sind.

In einem Geruch, der eine Erinnerung aufschließt.

In einer Straße, deren Geräusche wir mit geschlossenen Augen erkennen würden.

Oder in einem Menschen.

Vielleicht suchen wir deshalb in der Liebe nicht nur jemanden, den wir lieben.

Vielleicht suchen wir manchmal auch einen Ort, an dem wir unsere inneren Koffer endlich abstellen können.

Du kannst bleiben.

Drei kleine Wörter.

Und ziemlich viel Sehnsucht darin.

Denn wie schön ist die Vorstellung, bei einem anderen Menschen nicht ständig auf gepackten Koffern sitzen zu müssen.

Und wie beängstigend kann sie werden, wenn dieser Mensch plötzlich selbst zur Heimat geworden ist.

Was passiert, wenn er geht?

Für Menschen mit Verlustangst kann sich eine drohende Trennung deshalb nach sehr viel mehr anfühlen als nach dem Verlust einer Beziehung.

Denn mit diesem Menschen droht auch das Gefühl verloren zu gehen, irgendwo sicher zu sein.

Dann kann eine unbeantwortete Nachricht plötzlich eine Geschichte erzählen, die noch gar nicht passiert ist.

Ein Rückzug bekommt eine Bedeutung, die vielleicht gar nicht gemeint war.

Und aus einem schlichten „Ich brauche heute ein bisschen Zeit für mich“ wird im eigenen Inneren schnell die Frage:

Willst Du überhaupt noch bei mir sein?

Denn wir lieben nicht nur mit dem Menschen, der wir heute sind.

Wir lieben auch mit unserer Geschichte.

Mit unseren Erfahrungen von Nähe und Entfernung.

Mit dem, was wir über Bleiben und Gehen gelernt haben.

Mit den Menschen, die da waren.

Und manchmal noch viel länger mit denen, die es nicht waren.

Vielleicht besteht eine der schwierigeren Aufgaben erwachsener Liebe darin, beides zu können:

bei einem anderen Menschen anzukommen –
und trotzdem bei sich selbst wohnen zu bleiben.

Ein anderer Mensch darf Heimat sein.

Aber er sollte nicht unser einziges Zuhause sein.

Und vielleicht hatte Okwonga mit seinem Titel recht.

Es ging immer nur um Liebe.

Vielleicht geht es aber auch darum, ob wir gelernt haben, in ihr zu wohnen, ohne uns selbst darin zu verlieren.

Herzlich
Stefanie

P.S. Gerade bekommt mein neuer Verlustangst- Onlinekurs „Bitte verlass mich nicht“ seinen letzten Schliff.

Darin geht es darum, woher diese Angst kommt, warum unser Bindungssystem manchmal Alarm schlägt, wenn ein geliebter Mensch auf Abstand geht – und wie wir lernen können, mehr Sicherheit in uns selbst und unseren Beziehungen zu finden.

Wenn Du Dich darin wiedererkennst oder beruflich Menschen begleitest, die diese Angst kennen, kannst Du Dich hier unverbindlich auf die Warteliste setzen.

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